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 (Illustration: Gerhard Thiede)

 

Monatsspruch September 2019

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Matthäus 16,26

Seele – was für ein altmodisches Wort. Dabei bezeichnet es etwas Wichtiges, Lebensnotwendiges. In der Bibel hat das Wort Seele mit dem Atem zu tun. Am Anfang blies Gott dem Adam, dem leblosen Erdling seinen Atem, den Odem des Lebens in die Nase. “Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.” (1. Mose 2,7) Odem – noch so ein schönes, altertümliches Wort. Und die uralte, sagenhafte Geschichte von der Erschaffung der Welt sagt uns auch heute, dass wir unser Leben dem Atem, dem Odem Gottes verdanken. In der Seele atmet sein Leben in uns!

Von Jesus stammt die Frage nach der Seele, die als Monatsspruch für den September ausgesucht wurde: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Mt. 16,26),  Ich glaube, wir könnten die Frage spontan bejahen. Dass nicht alles machbar ist – und nicht alles Machbare glücklich macht… Dass sich ein Leben verzehren kann auf der Jagd nach Konsum und Karriere … Dass wir nicht die “ganze Welt “ haben müssen, um glücklich und zufieden zu sein… Das würden die meisten wohl unterschreiben. Denn: Wir … sind ja nicht so!

Und doch hängt unsere Vorstellung vom gelingenden Leben mehr mit diesem “Welt-Gewinnen” zusammen als wir denken. Überlegen wir nur mal, was wir einander zum Geburtstag wünschen: Das Leben soll gelingen, soll lauter Freude, Glück und Gesundheit – auf jeden Fall aber: ohne Unfall und Unglück sein!

Oder denken wir an die Versprechen der Werbung: Glücklich bist Du erst, wenn Du schlank und fit bist! Rundum zufrieden machen Dich erst DIESE Schuhe, DIESE Uhr, DIESES Auto und DIESE Reise! – Dann kaufen wir die Schuhe und machen die Diät. Und merken doch bald, dass dieses Glück nur von kurzer Dauer ist. Neues muss her. Nie, nie bringt uns dieses “Welt-Gewinnen” ans Ziel.

Aber worauf zielt den die Frage von Jesus: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Jemand hat in diesem Zusammenhang von der “Tyrannei des gelingenden Lebens” gesprochen. Wirklich bereichernd, hat er gesagt, waren gerade die Zeiten, wenn das Leben nicht gelang, wenn wir das Leben nicht im Griff hatten, und wenn nicht alles glatt ging. Im Rückblick waren solche Zeiten aber oft voll tiefer Erfahrungen, auch mit Gott. Im Rückblick wurde die Seele reicher  - gerade in den Zeiten, als wir gefordert wurden.

Ich kann es noch einfacher sagen: Auch in unserer Welt ist nicht alles machbar. Wir bekommen nicht alles in den Griff. Wir können Glück nicht planen, nicht kaufen und auch nicht festhalten. Was uns aber wirklich reicher macht, verdanken wir anderen und einem anderen: Begegnungen, Bewahrungen, Freuden - und Lasten. Und manchmal sind die Zeiten, die wir als schwer und bedrückend erleben, gerade die, in denen wir den Atem Gottes spüren.

Mit herzlichen Grüßen

 

Ihr Pfarrer Martin Kutzschbach

 

 


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