Verschiedenes


 

Andacht

Suche Frieden und jage ihm nach!  Psalm 34,15

 

In einer Winternacht 1993 wird in Minneapollis (Minnesota) ein Zwanzigjähriger erschossen. Den Zeitungen ist das kaum eine Meldung wert. Bloß ein weiterer Mord im Drogenmilieu. Gewalt ist an der Tagesordnung. Und natürlich ist das Opfer, genau wie der Täter, ein Schwarzer. Der Täter, ein Sechzehnjähriger, wird gefasst und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Mary Johnson, die Mutter des Opfers wünscht ihm die Todesstrafe. Aber die ist längst abgeschafft in Minnesota. - Was hilft es, dass der Mörder sie noch im Gerichtssaal um Vergebung bittet? Wie soll man einem Menschen vergeben, der das eigene Kind getötet hat?

 

Jahre vergehen. Inzwischen arbeitet Mary Johnson als Sekretärin einer Kirchengemeinde. Früher sang sie im Kirchenchor. Jetzt kann sie Gott nicht mehr loben, hat er doch zugelassen, dass ihr Sohn so ums Leben kam. Sie liest weiter in der Bibel, sie besucht Gottesdienste, sie betet das Vaterunser  mit der Bitte: “… wie auch wir vergeben unsern Schuldigern”. Aber es dauert zehn Jahre, bis sie den Hass auf den Mörder loslassen kann. Eine Idee lässt sie nicht los: Vielleicht kann sie ihn im Gefängnis besuchen. Vielleicht ist er ja gar kein Monster, sondern ein Mensch?!

 

Mary Johnson bereitet sich eingehend auf die Begegnung mit dem Mörder ihres Sohnes vor. Als sie ihm im Besuchsraum des Gefängnisses gegenüber sitzt, ist O’Shea Israel, wie er sich inzwischen nennt, kein Jugendlicher mehr, sondern ein Mann. “Ich kenne dich nicht.,” sagt Mary Johnson, “aber wir müssen uns kennenlernen.” Sie redet von ihrem Schmerz, von dem Leid, dass er ihr angetan hat. Und obwohl er selbst vorher am Sinn dieses Treffens gezweifelt hat, erzählt er der Mutter seines Opfers jetzt vom Drama seiner Jugend. In dieser Begegnung geschieht etwas geschieht mit beiden. Am Ende des ersten Treffens sagt Mary Johnson: “Ich vergebe dir.” Und O’Shea Israel fragt sie, ob er sie zum Abschied umarmen dürfe.

 

Weitere Begegnungen folgen. Mary Johnson sucht andere Betroffene auf, Frauen, die ihre Kinder auf ähnliche Weise verloren haben. Schliesslich gründet sie einen Verein, der sich um Versöhnung bemüht. Er heisst: “From death to life - the Forgiveness Project”. “Vom Tod zum Leben - Das Vergebungs-Projekt”. Weil auch die Mütter von Tätern leiden, organisiert sie Begegnungen mit ihnen. Sie hält Vorträge vor Gefangenen, erzählt einfach von ihrer Geschichte, ihrem Schmerz, ihrem Hass, den Begegnungen mit dem Mann, der ihren Sohn umbrachte - und von der Veränderung, die sie erlebt hat. Als O’Shea Israel vorzeitig aus der Haft entlassen wird, heisst sie ihn willkommen, lässt ihn nebenan wohnen, fast wie einen eigenen  Sohn.

 

“Es ist nicht einfach, jemandem zu vergeben,” sagt Mary Johnson. Aber wenn ein Opfer vergibt, wird es vom Objekt zum Subjekt des Handelns. Und weil ein Täter die Angehörigen seines Opfers ihr Leben lang begleitet, sei es doch klug, zu versuchen, ihn zu verstehen, sagt sie.

 

“Suche Frieden und jage ihm nach,” ist die biblische Losung für das neue Jahr 2019. Mir scheint: Die Geschichte von Mary Johnson und O’Shea Israel enthält viel von dem Satz aus Psalm 34. Frieden fällt uns nicht in den Schoß. Wir bekommen keinen Frieden, wenn wir nicht bereit sind, uns zu bewegen.”Suchen”, “Nachjagen” - das sind starke Worte. Stark ist es, wenn Menschen sich bewegen, den Hass, den Wunsch nach Rache und Vergeltung hinter sich lassen.

 

“Es ist nicht einfach, zu vergeben,” sagt Mary Johnson. Der Weg zum Frieden ist mühsam. Aber ohne diese Suche bleibt alles nur, wie es ist.

 

In der Bibel meint Frieden: Leben, das heil ist. “Frieden auf Erden!” ist die frohe Botschaft, die wir Weihnachten wieder neu hören. Wir glauben, dass Gott Frieden macht - mit allen, für alle. Schlimme Taten, zum Beispiel den Mord an Mary Johnsons Sohn, kann kein Mensch ungeschehen machen. Aber der Glaube an den Gott des Friedens kann Menschen dazu bringen, die Erstarrung zu überwinden. Wunden können heilen. Neues kann wachsen. Wenn wir Frieden suchen, wenn wir ihm nachjagen, geschehen Wunder - auch heute. 

 

Mit herzlichem Gruß

 

Martin Kutzschbach

 

Mary Johnsons Geschichte stand in der ZEIT (“Und dann ist der Hass weg” - von Johannes Musial, in DIE ZEIT Ausgabe 47 vom 16.11.2018). Mehr von ihrem Projekt findet man hier: fromdeathtolife.us

 

 

Der Kirchenumbau geht voran!

 

Seit dem 11. November sind wir sonntags wieder im Kirchsaal zurück. Dort Gottesdienst zu halten erfordert allerdings von allen – besonders von der Küsterin – hohen Einsatz. Die Arbeiten während der Woche sind immer noch ziemlich staubintensiv.

 

Gottesdienstbesucher haben nun aber schon die neuen Fenster bestaunen können. Das Erstaunliche ist: Man sieht keinen Unterschied! Fensterbauern und Glasern ist mit dem Einbau ein Kunststück gelungen: Vier große, ungeteilte, doppelwandige Fenster, jedes fast 400 Kilo schwer, wurden unfall- und fehlerfrei über Mauern gehoben,  durch ein Gartentörchen bugsiert und dann mit dem mobilen Kran unter einen breiten Dachüberstand eingeschwenkt und fixiert. Eine wahrhaft artistische Leistung!

 

Nun geschieht alles gleichzeitig: Die holzverkleidete Fassade wird gestrichen,  innen arbeiten Fliesenleger an den Toiletten, wo zwischenzeitlich auch die (asbesthaltigen!) Trennwände entfernt werden mussten. In der oberen Etage werden in den neuen Räumen Wände verputzt, Leitungen verlegt und der Estrich gegossen.

 

Der Aufbau der Lüftungsheizung für den Kirchsaal wird wohl noch etwas mehr Zeit benötigen. Frieren muss im Gottesdienst trotzdem niemand. In der Kirche sorgen zusätzliche Heizkörper dafür, dass eine angenehme Grundtemperatur gehalten werden kann. – Überhaupt: der Kirchsaal. Zunächst war es ein neuer Schrecken, dass wir auch die hölzerne Wandverkleidung dort abnehmen mussten. Bei der Frage des Wiederaufbaus haben wir uns dann aber entschieden, die Wände glatt und weiß zu gestalten. Das wird dem Raumeindruck gut tun – und die vorhandenen Hölzer im Boden, in der Decke, den Türen und der Orgel sogar noch hervorheben.

 

Und wann ist die Einweihung? Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Gemeindebriefs lässt sich das noch nicht sagen. Peu à peu nehmen wir das Haus ja inzwischen wieder in Gebrauch. Außer Frage steht aber: Wir wollen die Einweihung feiern – mit Ihnen und allen, die uns in dieser schwierigen Zeit so geholfen haben! Mehr dazu demnächst...

(mk) 

 

Mitreißendes Konzert am VolksPOWERtag!

 

Eigentlich sollte die Friedenskirche längst wiedereröffnet in neuem Glanz erstrahlen.  Unvorhersehbare Umstände hatten das bekanntermaßen verhindert – und so bekam das längst verabredete Konzert vom Bonner Gospelchor  „Swinging Rainbow“ ungewollt den Charakter eines Werkstattkonzertes. Aber äußere Umstände wie der Zugang durch die Baustelle, die kahlen Betonwände die fehlende Heizung im Kirchraum konnten die Freude an diesem mitreißenden Ereignis nicht mindern. Das lag vor allen Dingen an den Sängerinnen und Sängern, die mit ihrer Leiterin Liane Pleuger und Pianist Martin Hentschel ein famoses Programm einstudiert hatten. „Power“ (Kraft) hatten sie es genannt, und mit Macht zogen sie alle in den Bann ihrer Musik. „Alle Menschen sind gleich“ hieß ein Song, den der Chor mit dem Publikum einstudierte. So wurde der Text der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte zum Ohrwurm, mit dem am Ende Chor und Zuhörerschaft hinaus “tanzten“. Wir danken dem Chor „Swinging Rainbow“ aus der evangelischen Apostelgemeinde in Bonn-Tannenbusch für ein wunderbares Konzert, das uns am Volkstrauertag soviel Freude und „Power“ gemacht hat! (mk)

 

 

 


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