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Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt aus der Ukraine geflüchtete Menschen zur Zeit mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Bargeldhilfen und der Bereitstellung von Notunterkünften. Hier können Sie spenden:

Diakonie Katastrophenhilfe
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Stichwort: Ukraine Krise

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ANDACHT Juni 2022

 

Beten ist …

“Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ (Ps.  42,3)

Was ist eigentlich Beten? Nur ein Selbstgespräch, wie Kritiker der Religionen behaupten? Ist es bloß Einbildung, dass irgendwo  im Himmel jemand auf uns hört und auf unser Rufen antwortet?

Oder ist Beten eine Leistung? Und wir müssen nur fest daran glauben, möglichst viel beten - und dann bekommen wir das, was wir wollen?

Vielleicht haben wir so mit unsern Kinder gebetet, abends im Bett vor dem Einschlafen: „… und behüte auch Mama und Papa, Oma und Opa … und den Hund!“ Ein Ritual. Und wehe, man hatte jemand vergessen in der ganzen Litanei …

So beten wir nicht mehr. Der Glaube ist mit uns erwachsen geworden. Und mit ihm auch unser Gebet. Wir haben erfahren, dass es nicht  so funktioniert: Wir sagen Gott unsre Bitten - und er erfüllt sie wie  gewünscht. So ein Kinderglaube ist enttäuscht und entzaubert worden, weil doch ein Unglück über uns hereingebrochen ist, weil die so inständig erbetene Heilung trotzdem ausblieb, weil immer noch Krieg ist, trotz aller Friedensgebete.

 

Wie ist das mit dem Beten?  Ich als Pfarrer müsste es doch wissen. Ich bete ja schließlich von Amts wegen - und Beten gehört zu meinem Beruf. Aber Beten ist auch etwas Intimes, - etwas, das sich nicht einfach so produzieren und befehlen lässt. 

 

Manchmal kann ich auch nicht beten. Wenn es mir die Sprache verschlägt. Wenn meine Zweifel so groß sind. Wenn mir die richtigen Worte fehlen. Wenn ich innerlich leer und stumm bin. Vielleicht wäre es dann ehrlicher zu schweigen. Auch im Gottesdienst am Sonntag. Mit der Gemeinde zu schweigen - und einfach zu warten und zu hören… Wer weiß, vielleicht wäre ich Gott damit sogar näher als in der Mechanik der einstudierten Worte.

 

Ist das Beten in der Krise? So wie auch der Glaube in einer Krise zu sein scheint? - Die Frage ist älter als wir vielleicht denken. Schon in der Bibel reden Menschen von der Krise ihres Glaubens.

 

Im 42. Psalm sagt jemand zum Beispiel: „Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu  mir sagt: ‚Wo ist denn dein Gott?‘“ Und dann ruft er zu Gott, gerade weil Gott schweigt: „Warum hast du mich vergessen?“

 

Der Psalmbeter zeigt aber auch: Bei allem Zweifel ist Beten doch ein Bedürfnis der Seele. „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ (42,3) Noch deutlicher wird er im Vers davor: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ (Psalm 42,2+3)

 

Lechzen nach frischem Wasser… Wer lechzt, hat ein inständiges Verlangen. Der Durst muss gestillt werden. Wer lechzt, sehnt sich und hofft.

 

Wie ein ausgetrocknetes Bachbett: Das Wasser ist zwar versiegt. Die Steine liegen kahl. Doch es ist so, als ob sich der trockene Bach schon zum kommenden Nass ausstreckt. Und wenn‘s nur ein Rinnsal ist oder ein Bach.

 

Der Hirsch lechzt! Und die Seele schreit. Und der Psalm erinnert uns daran, dass es das Bedürfnis gibt - nach Wasser und nach Trost, nach Sinn und nach Liebe, nach Frieden, und nach erfülltem Leben. Ein Bedürfnis, das in uns allen ist. Eine Sehnsucht, die wir selber nicht stillen können.

 

Eigentlich sorge ich mich nicht um das Beten. Denn Gott hat die Sehnsucht in uns hineingelegt. Wir beten - mit Worten, und wenn wir  schweigen. Wir beten, wenn wir den Durst unserer Seele spüren. Wir beten, wenn wir den Mangel erkennen, wenn wir uns unsere Bedürftigkeit eingestehen. Wir beten, wenn wir an unsere Grenzen kommen, wenn wir die Leere in  uns  verspüren. Wenn die Not anderer oder die eigene Not uns die Sprache verschlägt. Ein Schrei, auch ein stummer ist schon ein Gebet.

 

„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“  Der Satz  ist Monatsspruch für diesen Juli. Die Schreie werden nicht verstummen. Genauso wenig wie der Durst nach Frieden, nach dem Schweigen der Waffen, nach erfülltem Leben für alle.

 

„Harre auf Gott,“ sagt der Beter zu seiner Seele, „denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist!“ (42,6b)

 

Es grüßt Sie herzlich

 Ihr Pfarrer Martin Kutzschbach

 

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